
Chiara Duffner, Hubertus Heil und Kilian Krumm
Die Gruppe der Juso AG Baden-Baden trotzte dem kalten, regnerischen Wetter und folgten dem Aufruf des Juso Landesverbandes Baden-Württemberg zum Wahlkampcamp nach Markelfingen an den Bodensee. Neben spannenden Diskussionen, kämpferischen Fussballpartien und langen Lagerfeuernächsten standen vor allem verschiedene Workshops zur praktischen Wahlkampfführung auf der Straße und in den Medien auf dem Programm.
Wahlkampfcamp 2009 der Jusos Baden- Württemberg vom 03. bis zum 06. September im DGB- Jugendcamp Markelfingen
Wahlkampf auf der Straße: Die Menschen gewinnen.
Nicht nur über ein abstraktes Programm reden, sondern auf die Straße gehen und die Herzen der Menschen gewinnen – die Jusos sind innovativ, wenn es darum geht, Wahlkampf zu führen und zeigen dass die Partei sich offensiv vermarkten muss. Nachdem drei Gruppen verschiedene Konzepte entwickelt hatten, fahren die Jusos in die Konstanzer Innenstadt. Da gibt es die Gruppe „Kasino- Kapitalismus“, welche mitten in der Fußgängerzone Roulette spielt und Flyer zur Finanzmarktregulierung verteilt. Botschaft: Schwarz- Gelb zockt! Oder aber die Gruppe zur Energie- Politik, bei der kleine Atommüll- Fässer beim Dosenwerfen im Wasser landen: Mit Atomenergie kannst du baden gehen! Eine weitere Aufsehen erregende Aktion koordinieren die Jusos mit ihrem Wahlkampfbus. Angelehnt an das Prinzip der populären „Flashmobs“ hält der Juso- Bus spontan an roten Ampeln, die Türen gehen auf, Jusos mit Steinmeier- Logo auf dem Rücken (gesprüht) springen raus, verteilen Flyer, steigen wieder ein und fahren weiter. Etwas später am Nachmittag kommt dann der SPD- Bundesgeneralsekretär Hubertus Heil nach Konstanz, um über Aufstieg durch Bildung zu sprechen. Er erhält viel Applaus für seine Forderung, Bildung vom Kindergarten bis zur Hochschule gebührenfrei zu halten. Deutschland verfüge bekanntlich nicht über Rohstoffe. Es seien deshalb die Köpfe der Menschen, in die investiert werden müsse. Es brauche in unserem Land mehr Wertschätzung für Bildung.
Praxistest: Sascha Binder und Peter Friedrich zeigen, worauf es ankommt
Viel Praxiserfahrung bekommen die Jusos auch in Gesprächen mit dem SPD- Landesgeneralsekretär Peter Friedrich MdB (Wahlkreis Konstanz) und dem Juso- Spitzenkandidaten Sascha Binder (Wahlkreis Göppingen) mit auf den Weg, die beide für den nächsten Bundestag kandidieren. Peter Friedrich verweist auf das Online- Angebot der Landespartei, welches er moderner gestalten will. Als Politiker sei wichtig, persönlichen Kontakt zu den Menschen zu pflegen und sie nicht mit Infomaterialien zu bombardieren. Der Juso-Spitzenkandidat Sascha Binder betonte: Viele Menschen hätten sich noch nicht entschieden, wen sie am 27. September wählen wollten. Es lohne sich zu kämpfen.
Moderne Gleichstellungspolitik als Querschnittsaufgabe
Was bedeutet moderne Gleichstellungspolitik heute und wie kann sie verwirklicht werden? Eigene Standpunkte diskutieren sowie die Positionen der anderen Parteien zu erarbeiten und sich in deren Rolle zu versetzen, ist Ziel eines Fishbowls, der am Samstag Abend stattfindet. Am Ende ist fast jede/r Teilnehmer/in mal in der Runde gesessen, um seine Gruppe zu vertreten, die Jusos haben eine Menge Spaß und die Jury kürt die SozialdemokratInnen als Sieger der Diskussion – welch ein Wunder!?
Vorsorgender Sozialstaat. Soziale Demokratie in Zukunft.
Wie kann die SPD auch in Zukunft stark sein? Christian Eheim, zeigt es in seinem Referat. Es gelte sich in den Vereinen vor Ort einzubringen und über persönliche Kontakte eine Verbindung zur SPD zu schaffen. Außerdem spricht Christian Eheim vom vorsorgenden Sozialstaat, dessen primäres Ziel es neben der Absicherung im Falle eines Arbeitsplatzverlustes sein müsse, Menschen in Arbeit zu halten und ihnen damit ein Selbstwertgefühl zu geben.
Modernes Marketing auch in der Politik
Darüber hinaus bekommen die Jusos wertvolle Tipps aus dem modernen Marketing auf den Weg. Der stellvertretende Juso- Landesvorsitzende Frederic Striegler macht den Anfang, zeigt Videos aus der Werbebranche und lässt die Jusos ihr Selbstbild analysieren. Schnell wird deutlich, dass Parteien in Zukunft viel stärker auf Marketing setzen müssen, um ihre Wähler zu erreichen. An diesem Punkt knüpft Oliver Stegemann an. Lieber einen vernünftigen Stand mit wenigen, aber qualitativ hochwertigen Materialien als einen durchgebogenen Tapeziertisch, der die interessierte Bevölkerung durch ein zu großes Angebot überflute. Und auch im Hinblick auf den Wahlkampf der Zukunft bietet Oliver Stegemann eine Richtschnur: Der werde zwar verstärkt im Internet stattfinden.
Und auch der Spaß kommt nicht zu kurz
Jusos wissen, dass man auch mal feiern muss, und dass zu Politik mehr als trockene Diskussionen gehören. Ein Spiele- Abend bringt alle an einen Tisch und sorgt für Erheiterung. Am Lagerfeuer wird die Gitarre ausgepackt und Lieder angestimmt. Beim traditionellen Singen der Internationalen am warmen Feuer wird schnell der kalte Regen vergessen. Und als die Sonne am Samstag endgültig ihren Sieg übers schlechte Wetter errungen hat, rennen schon längst wieder Jusos übers Fußballfeld.
„Ich bin mir sicher, dass uns auf dem Camp das nötige Know How für die nächsten drei Wahlkampfwochen vermittelt wurde. Wir Jusos werden nun unser bestes geben dieses im Wahlkreis umzusetzen. Auf in den Wahlkampf!“ so Kilian Krumm, Sprecher der Jusos Baden-Baden.